Logbuch Eintrag #14 | Oh Boy!

In den letzten Tagen erreichten uns einige besorgte Mails und Anrufe: Wo ist Axel? Warum hört man nichts mehr von ihm? Nein, unser Karte haben wir nicht vergessen zu aktualisieren. Axels Position hat sich nur leider nicht großartig verändert. Grund dafür: Die Zest hatte einen Mastbruch!

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Der europäische Boden scheint ihn mit allen Mitteln festhalten zu wollen. Sein Ruderbruch vor Dover Ende Oktober hatte ihn ohnehin zeitlich zurückgeworfen – die Überfahrt nach Marokko, wo er mit seinem Bruder unserem Kitespot in Essaouira einen Besuch abstatten wollte, fällt nun auch fürs Erste flach.

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Axels Kurzzusammenfassung des Mastbruchs: “Sind  am 27.12. abends aufgebrochen. Südost gehabt, der mit bis zu 30 Knoten recht kräftig war, aber die Zest ließ sich mit der Sturmfock und dem zweiten Reff im Groß gut steuern. Auch dank des neuen Ruders – Autopilot hat nicht versagt. Als dann der Wind über Süd drehend aus leicht westlicher Richtung kam, machte es Sinn, den Bug zu wechseln und eine Wende zu fahren. Der Wind hat schon merklich nachgelassen, in Böen waren es nur noch 25 Knoten. Ungefähr drei Minuten nach der Wende, ich hab das Boot dort noch selbst gesteuert, war dann auf einmal ein Knirschen und Knacken zu hören, der Ruderdruck ließ nach und ich fragte mich gerade, ob das alles wirklich passiert oder ich im falschen Film bin. Einige Sekunden später war dann kein Zweifel mehr. Ich hab meinen Bruder aus den Träumen gerissen und mir war klar, dass jetzt sehr schnell die richtigen Entscheidungen getroffen werden musste, damit wir heil aus dieser Lage rauskommen. In den 3-4 Meter Welle schaukelte das Boot nun vor sich hin, mit einem dreigeteilten Mast mit Segeln, Stahlseilen und Tauwerk tief im Wasser schwimmend.”

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Axel hatte gerade einen Funkspruch abgegeben, als er bemerkte, dass sich die Funkantenne zwar noch oben am Mast befand, dieser aber leider nicht mehr stand. Autsch! Sat-Telefon ging auch nicht.. Letzte Chance, um die Lage zu vermitteln war der Delorme Inreach Messenger, den Axel erst seit ein paar Tagen hatte. Rundumschlag an Freunde via SMS und Facebook und dann hoffen, dass “vielleicht irgendjemand auf die Idee kommt, die Seenotrettungsstelle in Bremen oder Portugal darüber zu informieren, dass ein entmastetes Segelboot zwischen den Fahrrinnen vor Sagres treibt.”

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Oh Boy! Unser Sorgencaptain kann einem schon leid tun. Mit der indisponierten Zest und vollem Dieseltank ging’s zurück ans portugiesische Festland, was gar nicht so einfach war. Auf dem Weg wurde die Zest fast von einem Frachter überfahren, der aber mit einer Taschenlampe “abgewehrt” werden konnte. Und ein heller Planet war doch kein Rettungshubschrauber. Jetzt bloß nicht durchdrehen, Axel!

Unterwegs hatte Axel noch ein Fischernetz in der Schraube, in Lagos war der Hafen wegen zu hoher Wellen geschlossen, und beim nächsten Versuch in Portimão musste Axel im Stockdunklen mit Mast an der Seite und steilen Wellen Vollgas in die Hafeneinfahrt reinsurfen. Genug Aufregung für die ganze Reise, sollte man meinen..

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Captain Hackbarth nahm’s aber auch dieses Mal gelassen. “Besser das passiert jetzt, als später zwischen Sal und Barbados”, meint er. Bei der Silvesterparty, die ja eigentlich auf afrikanischem Boden stattfinden sollte, fand er auch das passende Motto zu seiner Reise – über der Klotür. Wo sonst?

12235605_10153144610616082_1737287967_oUnd jetzt? Erstmal Kiten.. Danach wird weiter geschaut.

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Auf unserer Karte könnt ihr wie immer Axels Standort nachschauen, auch wenn sich dieser wohl erst mal nicht ändern wird ;)