Anne Valvatne – die begabte Norwegerin übers Kiten

Anne ist Norwegerin, aber leben, arbeiten und Kiten tut sie in Deutschland – und hat eben erst die Deutschen Kite-Surf-Meisterschaften gewonnen. Auch wenn sie als Norwegerin den Titel der deutschen Meisterin nicht offiziell tragen darf: Die Konkurrenz weiß Bescheid über die Kite-Begabung der 30- jährigen Allrounderin.

 

 

Anne, wer bist du, wo kommst du her und wie bist du zum Kite-Surfen gekommen?

Ich komme aus Norwegen und habe früher auf Leistungsniveau Fußball und Handball gespielt. Das wurde dann irgendwann langweilig und ich bin auf Sportarten umgestiegen mit mehr Adrenalin. Anfangs Snowboarden… Übers Snowboarden in Österreich als Snowboardlehrerin habe ich dann Jungs kennengelernt, die im Sommer als Wind- und Kite-Surf-Lehrer in Griechenland arbeiteten. Das hat mich gereizt, ich bin dann nach Griechenland gefahren und habe zuerst Windsurfen ausprobiert. Für einige Sommersaisons war ich dann dort als Windsurflehrerin und (Büro-)Mädel für alles zuständig. 2005 hab ich mit dem Kitesurfen angefangen. Von da an bin ich immer dran geblieben. Ich hab mir immer Ziele gesetzt und ich bin sehr ehrgeizig.

 

…und wie ging es weiter mit dem Kite-Surfen?

2007 habe ich angefangen Tourismusmanagement in Bremen zu studieren. Schon vor dem Studium war mir klar, dass ich das Pflichtauslandssemester zum Kitesurfen nutze und bin für zehn Monate nach Fortaleza in Brasilien gegangen, weil die Bedingungen dort perfekt zum Kiten sind.

 

Woher sprichst du so gutes Deutsch und warum hast du dich bei allen Ländern, die du schon bereist hast für Deutschland entschieden?

In Norwegen habe ich schon in der Schule Deutsch gelernt. Als zweite Fremdsprache und in Österreich habe ich dann natürlich auch deutsch gesprochen. Deutschland bietet schon gute Bedingungen zum Kiten. Die Küste ist super gut vor Ort, von Bremen ist Cuxhaven ja zum Beispiel nicht weit entfernt. In Deutschland sind auch meine Lieblingsspots, wie z.B. Saal auf dem Darßer Bodden.

 

 

Wie hast du es in die Kitesurf-Szene geschafft?

Nach Brasilien habe ich 2010 das erste Mal bei den deutschen Meisterschaften im Kiten mitgemacht. Und gewonnen. Wenn schon denn schon! (Sie lacht). Seit dem Zeitpunkt weiß ich eigentlich erst, was Kitesurf-Meisterschaften und -Wettbewerbe sind. Dann habe ich auch gleich Sponsoren gefunden, weil ich eben so plötzlich aufgetaucht bin. Kiten ist ziemlich teuer, Trainingssessions und Reisen finanziere ich selbst, die Ausrüstung bekomme ich zum Glück vom Sponsor.

 

War es nicht schade für dich, dass dein Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften 2012 in Fehmarn gar nicht so viel Aufmerksamkeit gewonnen hat, weil du Norwegerin bist?

Das ist schon seit 2010 so. Das spielt für mich nicht so eine große Rolle. Für mich stehen da der Kick, die Freunde und der Spaß mehr im Vordergrund. In Norwegen gibt es zwar auch Meisterschaften, bei denen die ‚norwegische Meisterin’ gekürt wird, aber das hat bisher noch keine große Medienaufmerksamkeit. Aber vielleicht fahre ich da im September noch hin.

 

 

Wie war dein bisheriger Saisonverlauf ?

Der World-Cup und die deutschen Meisterschaften liefen besser als gedacht. Ich bin ja erst im Mai in die Saison gestartet. Vor dem Wettkampf war ich nur fünf Tage auf dem Wasser. Das ist die Schwierigkeit für deutsche Fahrer, dass die Bedingungen nicht übers ganze Jahr perfekt sind. Wenn ich im Winter nicht zum Kiten komme gehe ich jeden zweiten Tag ins Fitness-Studio um mich fit zu halten.

 

Was sind deine Ziele für die kommende Zeit?

Vielleicht kann ich noch einen Stop der Europa-Tour mitmachen, in Barcelona. Und nächstes Jahr wäre die gesamte Europa-Tour cool. 2013 will ich außerdem bei den Welt-/und Europameisterschaften im Snowkiten mitmachen. Seit sechs Wochen bin ich leider etwas krank. Keine Krankheit, die ich zumindest immer merke. Blutarmut, da bin ich beim Laufen, Treppensteigen und manchmal eben Kiten dann schnell außer Puste. Deswegen muss ich mich ein bisschen schonen. Ich mag das eigentlich gar nicht, aber das muss jetzt mal sein.

 

…ist das eine deiner weiteren Disziplinen, Snowkiten?Ja, im Winter kann man eben auch auf Schnee Kiten. Das ist schon etwas anderes. 2012 bin ich dritte bei den Europameisterschaften im Snowkiten geworden.

 

Wie organisierst du dein Leben als Kite-Surferin?

Ich plane immer nach dem Wind und versuche bei gutem Wind Kiten zu gehen. Ich arbeite ja Vollzeit. Mit KiteWorldWide habe ich abgesprochen, dass ich freitags oft früher aus dem Büro kann um dann das Wochenende frei zu haben zum Trainieren. Ich versuche generell früher anzufangen, um dann früher an die Küste zu kommen. Und alle Urlaube sind natürlich fürs Kiten verplant.

 

Zum Abschluss… was schätzt du an der Kite-Surf-Szene?

Den Zusammenhalt. Es gibt so viele unterschiedliche Leute: Anwälte, Ärzte, 16-jährige Bengel… Aber man hat die Leidenschaft, die einen verbindet. Und wenn so viele unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinandertreffen ist die Gruppendynamik eine ganz besondere. Einfach faszinierend!

 

 

 

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