#11 Kite Roadtrip: Mit dem Kite Camper Van von Spanien nach Marokko bei 50 Knoten

Da hatte Jürgen mal wieder ne ganz tolle Idee. Für Dienstag, den 10. April ist ein Mega Sturm vorhergesagt. Dazu ne Menge Regen und 12°C. Auf jeden Fall nicht das perfekte Kitewetter. Da kann man doch die Zeit sinnvoller nutzen und mal schauen, was die Spanischen Fähren so abkönnen. Die Schnellfähre ist eh abgesagt, aber die großen Fähren von Algeciras nach Tanger Med fahren eigentlich immer. Also noch schnell ein paar Einkäufe gemacht, Wasser vom Van nachgefüllt, Toilettenkassette geleert und ab geht’s zum Fährhafen.

Nach 2 Wochen Segeln auf den Kanaren können so ein paar Wellen ja nicht so schlimm werden. Um 16 Uhr soll es eigentlich losgehen, um 16.30 immer noch nicht mal grünes Licht an der Einfahrt und alles steht. Drumherum ist der Sturm in vollem Gange. Es schüttet wie aus Kübeln, der Wind ist so stark, dass der KiteWorldWide Van hin und herwackelt und Mülltonnen umkippen.

Auf Nachfrage am Schalter heißt es „ja, die Fähre fährt, ist gerade auf dem Weg zurück von Tanger”. „Vesselfinder” verrät die Position der Fähre. Das ist sozusagen Flighttracker für Boote. Ja, sieht gut aus.

Um 19 Uhr geht’s auf die Fähre. An Deck kann man kaum stehen, so stark ist der Wind. Zur Abfahrt stellt sich ein Schlepper in Position, um die Fähre vom Abdriften zu schützen. Spannend. Nach der Hafenausfahrt ist es eigentlich recht langweilig, das große, 150 m lange Schiff trotzt den Wellen. Schon während der Überfahrt werden Einreiseformalitäten erledigt und die Pässe gestempelt. Alles easy.

Kurz vor der Hafeneinfahrt nach Tanger Med wird es auf einmal ungemütlich. Das Boot neigt sich zur Seite. Ganz schön stark sogar. Die Gäste an Bord werden unruhig. Das Boot dreht ab und auf einmal ist es ruhig. Dann passiert erst mal nichts. Kein Schaukeln, keine Durchsage. Eine Stunde später steht das Schiff immer noch auf der gleichen Stelle, die Lichter bewegen sich keinen Meter.

Dann kommt die Durchsage, dass der Hafen in Tanger die Einfahrt verweigert hat. Es geht zurück nach Algeciras. Um 23 Uhr liegt das Boot wieder dort, wo es vier Stunden vorher abgelegt hat.

Die Fährgesellschaft hatte eine kreative Lösung: Alle bekommen Kabinen, können die Nacht an Bord verbringen und am nächsten Morgen um acht noch einmal nach Tanger fahren. Abendessen gibt es auch – gratis! Das ist ja ein Top Service, denkt sich Jürgen und bezieht nach dem Essen sein Zimmer. Betten, Badezimmer. Super. Gute Nacht!

Dann um 3 Uhr nachts ein lautes Klopfen an der Tür. Die Hafenpolizei fand den Plan der Fährgesellschaft nicht so gut. Alle müssen von Bord. Eine neue Fähre suchen. Gerade aus den Träumen von marokkanischen Wellen geweckt stellt Jürgen sich mitten in der stürmischen Nacht an den Schalter der Fährgesellschaft. Zusammen mit ca. 50, größtenteils Marokkanischen, Gästen, die jetzt nicht mehr so ruhig sind. Endlich eine Lösung: Eine Fähre nach Ceuta geht um 6, hier kriegt Jürgen noch einen Platz und es ein paar Stunden später geht’s los. Nochmal durch die Straße von Gibraltar. Diesmal ist alles ruhig und die Stunde Fährfahrt vergeht im Schlaf – im wahrsten Sinne des Wortes.

In der Spanischen Enklave angekommen sucht er sich erst mal nen Platz, um die verlorenen Ruhe der letzten Nacht nachzuholen. Es steht noch eine Grenzüberquerung und 200 km Fahrt nach Chefchouan auf dem Programm.