#2 Kiten lernen:
Kaddi in Essaouira, Marokko

Genau wie Bente fing ich als absoluter Nicht-Kiter bei KiteWorldWide an. Als kleine Entschuldigung dafür könnte ich sagen, ich komme aus dem Süden, da fährt man schneller 2 Stunden in die Berge zum Skifahren als ans Wasser. Doch wenn man 40 Stunden unter Kitern arbeitet, ist das Kitefieber schon inbegriffen und in kürzester Zeit könnte man in der Theorie locker unhooked springen!

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Als Marlo im Oktober meinte  „Kaddi hast du schon was vor zwischen dem 7. und 15. November? Nein? Na dann fliegen wir nach Essaouira!“ , war die Vorfreude rießig! Am 7. November war es also so weit: der erster Schnee fiel in Hamburg, Hannover und Berlin – Marlo, Maike, Simon und ich saßen im Flieger Richtung Sonne! Bepackt mit ganz viel „Marketing-Krams“, 4 Koffern und einem Kitebag kamen wir in Agadir an und wurden gleich vom Fahrer abgeholt. Die ca. 3 Stunden lange Fahrt mit kurzem Zwischenhalt für einen kleinen Einkauf, gingen schnell vorbei. Die Landschaft war anders, vor allem karger aber sehr faszinierend – vor allem die Ziegen die doch tatsächlich in den Bäume sitzen und fressen! Als wir am Meer entlang kamen, war die Begeisterung und die Vorfreude auf die kommende Abendsession groß!

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In Essouira angekommen wurden wir von den Locals abgeholt und mit extra Gepäck-Schubkarren zum Riad gebracht. Daniel, der KiteWorldWide Guide vor Ort,  gab uns eine kurze Einführung und schon machten wir uns auf zum Kitecenter. Dort hin kommt man am schnellsten mit den blauen Taxen, die  vor den Toren der Medina warten. Nur 70 Dirham und man wird überall hin gefahren – meistens auch noch mit anderen, denn hier teilt man sich ein Taxi, wenn für drei Personen Platz ist können eben auch drei mitfahren. Im Kitecenter angekommen wurden wir von Nasser und Sara, unseren Partnern vor Ort empfangen und alle wollten so schnell es geht aufs Wasser. Die drei anderen schnappten sich Schirme und Boards und auch ich fand mich kurz darauf mit Prallweste, Helm und Kitelehrer ausgestattet, bodydraggend und gegen die Wellen kämpfend unter einem 7m2 Schirm wieder. Es gibt leider keine Bilder von mir in Action und up close aber einer der drei Kites hier bin ich – sucht es euch aus :)

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Nach dem langen Tag und den vielen Ereignissen gingen wir mit Daniel zusammen zum “Mega Loft” wo es typisch marokkanisches Essen gab.
Am nächsten Morgen frühstückten alle Gäste zusammen im Riad und Pläne für den Tag wurden geschmiedet. Vormittags kamen Marlo und ich den Pflichten fleißiger Mitarbeiter nach aber nachmittags ging es dann auch für uns wieder aufs Wasser. Mounim, einer der Kiteinstruktoren, startete mit einigen Gästen und Marlo und Simon einen Sunset – Downwinder während ich weiterhin gegen die Wellen meine Upwind – Bodydrags übte und auch schon die ersten Wasserstartversuche unternahm. Was auch hier in den Wellen vor allem von Vorteil ist: die „Frosch-Position“ (Beine anwinkeln, Knie zusammen, Rücken zum Wind und Kite auf 12). So konnte man in den Wellen ganz gut liegen, darauf warten dass das Wellenset endlich vorbei ist und bequem ganz viel Salzwasser schlucken!

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Die Sonnenuntergänge sind so wunderschön, da konnte ich nicht anders als solche Bilder zu schießen bevor wir zurück ins Riad fuhren!

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Einmal in der Woche gibt es ein klassisch marokkanisches Berberdinner im KWW Riad mit allen Instruktoren und Gästen zusammen. Dabei konnte man das versprochene Community-Feeling noch mehr erleben! Nachdem die vier großen Tajins mit Reis, Gemüse und Hühnchen aufgegessen waren, kugelten alle auf die hauseigene Dachterrasse hoch, um dort den Abend ausklingen zu lassen.

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Natürlich muss ich auch alle Seiten des Kitens kennenlernen, was nun mal das auf-den-Wind-Warten beinhaltet. Genau das war am Freitagmorgen der Fall – Wind war da, aber von der falschen Seite. Als er dann endlich drehte, schlüpften alle in ihre Neos und es ging ab aufs Wasser – heute auch für mich, denn meine ersten Meter stand ich tatsächlich, sogar über die Wellen drüber! Ein unglaubliches Gefühl, was definitiv Adrenalin in die Blutbahnen schießt! Doch als wir aus dem Wasser kamen, wurden wir von Nasser mit schlechten Neuigkeiten empfangen: Simon hatte sich verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden! Maike, die französisch spricht, und Momo als Local und einer der Surfinstruktoren, begleiteten ihn. Als sie nach 4 Stunden mit Röntgenbild und Gips wieder im Riad ankamen waren sie sich einig: ein öffentliches, marokkanisches Krankenhaus ist definitiv eine Erfahrung für sich, die man nicht unbedingt noch einmal machen muss.

Nach dem Abendessen mit Nasser, Sara und Daniel fuhren wir zu Taros, einer Rooftopbar und absolutes Must-Do hier in Essaouira. Man sieht die ganze Medina und die Bucht, man trifft viele Leute, die man tagsüber am Strand kennengelernt hat, Livemusik wird später von einem DJ abgelöst und man kann sogar Alkohol kaufen (in Marokko nicht gerade üblich).

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Samstagmorgen – Maike und ich zogen in die Medina los, um kleine Mitbringsel zu kaufen und in das 1001 Nacht Feeling erneut einzutauchen. Nach mehr oder weniger gutem Verhandeln unsererseits wurde es wieder Zeit, aufs Wasser zu kommen. Da heute die Wellen etwas zu hoch und auch der Wind leicht böig war, gingen Mounim, mein Kiteinstruktor, und ich in eine kleine Lagune etwas downwind, wo ich den Wasserstart nochmals üben konnte – und auf einmal war es so viel einfacher im flachen Wasser!

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Nachmittags bekamen wir von Momo eine Einführung ins Wellenreiten, was uns allen richtig Spaß machte, doch wir mussten uns eingestehen: es ist super anstrengend!

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Deshalb mussten Abends die Ressourcen wieder aufgefüllt werden – mit ein paar Kiteinstruktoren und den anderen Gästen liefen wir in die Medina, es wurde Fleisch und Gemüse gekauft und dann zu einem “Barbecue – Laden” gebracht, in dem alles für uns gegrillt wurde. In der Zwischenzeit konnten wir sogar noch Bier auftreiben. Mit der gesamten Ausbeute machte sich die ganze Gruppe wieder auf den Weg zurück ins Riad und anschließend wieder auf zu Taros.

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Sonntag war es dann so weit! Ich bin mit Mariano aufs Wasser und konnte tatsächlich „richtig“ fahren! Nachdem ich ein paar mal downwind gefahren bin, den Kite landete und wieder den Strand nach oben lief, nahm ich mir vor, nun auch „richtige“ Wenden hinzubekommen statt erst in eine Richtung zu fahren, dann ins Wasser zu sitzen, um dann erst wieder in die andere Richtung zu fahren – bei den Wellen eine echte Herausforderung. Denn, wie ich feststellen musste, gehen Kite und Brett auch gerne mal getrennte Wege – nun zahlten sich die (gefühlt) stundenlangen Upwindbodydrags in den ersten Kitestunden mit Salah aus! Was mit einem “Dead-Loop” gemeint ist, musste ich selbst erfahren. Mein Kite fiel relativ nahe zum Strand ins Wasser, wurde von den Wellen durchgespült und die Leinen verdrehten sich mit dem Tuch. Aber zum Glück war der nicht ganz so schlimm und Mariano war sofort da um zu helfen. Nachdem ich den Quickrelease getätigt hatte, konnten wir alles Material wieder einsammeln, die Leinen ordnen und schon war ich wieder auf dem Wasser  – alles easy!

Nachmittags gingen Sara, Maike und ich direkt am Strand ausreiten. Wir wurden von dem Pferdebesitzer und bestimmt 10 Hunden begleitet. Sara und ich legten mit den Pferden immer wieder Galloppsessions an der Wasserkante ein – der Traum eines jeden Mädchens!! Ich hatte einen Riesenspaß!

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Abends machten wir uns auf in die Medina und da Simon keine Lust auf Krücken hatte, setzten wir ihn kurzer Hand auf ein Fahrrad. Die Medina bei Nacht zu sehen ist meiner Meinung nach so viel interessanter als tagsüber, denn dann sind auch die Einheimischen unterwegs, die Fischfänge des Tages und frisch geerntete Minze werden auf den Straßen verkauft. Nachdem wir uns etwas zu Essen besorgt hatten und noch umhergebummelt sind, wollte Simon noch ein Souvenir kaufen – ihm wurden direkt zusätzlich noch 100 Kamele für Maike angeboten! Gut dass er den Deal ablehnte, wie hätten wir denn 100 Kamele im Office untergebracht?!

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Was wäre Essaouira ohne Sidi Kaouki? Ein bekannter Wellenspot zum Surfen, der von Maike und mir am Montag ausgecheckt wurde! Viel größere Wellen als direkt am Strand von Essaouira und vor allem viele Surfer! Doch wir schlugen uns ganz gut und standen die ein oder andere Welle auf unseren Boards bis hin zum Strand. Mittags fuhren wir zurück nach Essaouira, denn dort war Wind und wir wollten unseren letzten Tag kitesurfend verbringen. Für mich hieß das immer noch rausfahren, downwind fahren und upwind laufen. Doch das Wichtigste war: ich stand auf dem Board, konnte fahren und bekam sogar die meisten Richtungswechsel ohne Boardverlust hin.

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Unseren letzten Abend verbrachten wir mit den anderen Gästen und ein paar Kiteinstruktoren in einem marokkanischen Restaurant direkt in der Medina – um noch einmal die marokkanische Küche in allen (Gewürz-)Facetten zu genießen.

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Dienstagmorgen mussten wir dann auch schon schweren Herzens wieder zurück ins kalte Deutschland. Mir hat die Zeit in Marokko sehr gefallen, die verschiedenen Gerüche auf den Märkten, Berber – Whiskey (marokkanische Minze) trinken, das Community Gefühl, was alle Gäste verbindet, die wunderschönen Sonnenuntergänge und natürlich das Wichtigste: Kiten! Als Fazit kann ich sagen: ich hatte in den Wellen zu kämpfen und habe sicherlich genug Salzwasser für die nächsten Jahre geschluckt, doch wie Anne immer so schön sagt: wer es in solchen Bedingungen lernt, kann überall Kiten. Ich hoffe sie behält Recht und freue mich schon auf das nächste Mal auf dem Wasser – dann fahre ich mit Sicherheit upwind und hoffentlich auch bald wieder in Essaouira – inssallah!

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