Der Kitesurf World Cup in St. Peter Ording aus den Augen eines Rider

CHRISTINE BÖNNIGER

Photo credit: Reemedia

Sie ist klein, tatsächlich etwas schüchtern…aber wow, kann dieses Mädchen kitesurfen! Wenn man sie auf dem Wasser trifft sollte man einen sicheren Abstand halten.

Christine lebt und studiert Biologie in Kiel und ist eine der jüngsten und erfolgversprechendsten Kitesurf Racer hier in Deutschland, mit einem Ziel vor Augen: Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio anzutreten!

Beim Kitesurf World Cup St. Peter Ording hat sie auf jeden Fall schon mal ihr Talent auf ganzer Linie bewiesen und belegte den zweiten Platz, nach einem atemberaubend spannenden Kampf gegen die Europäische Meisterin im Race (2010 und 2011), Katja Roose.

Hier gibt´s einen Bericht für Euch wie Christine die 10 Wettkampftage mit Sonne, Regen und Sturm in St. Peter Ording erlebt hat:

 

1. Freust Du Dich jedes Mal auf so ein Event wie den Kitesurf World Cup in St. Peter Ording?

Ja, auf jedenfall! Das PKRA-Event in Deutschland ist das größte Kitesurfevent auf der Welt. Es ist eine wunderbare Möglichkeit viele alte und neue Gesichter zu treffen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen. Aber natürlich ist es für mich in erster Linie ein Wettkampf und daher kein Camping-Urlaub, wie für die meisten anderen.

2. Wie hast Du Dich auf das Event vorbereitet?

In letzter Zeit stehe ich fast nur noch auf meinem Raceboard. Vor St. Peter-Ording war ich nochmal jeden Tag mit meinem Team trainieren. Wichtig ist vor allem alle Manöver (Wenden, Halsen) sicher zu stehen. Und das kann man nicht oft genug üben. Eine weitere Sache auf die ich mich direkt vor einem Event konzentriere sind die lokalen Begebenheiten: Wie sind die Bedingungen dort? Gibt es Strömung? Wie verläuft sie? SPO ist dafür bekannt auch weit draußen noch hohe Wellen zu haben. Da ich normalerweise bei leichtem Wind und sehr flachem Wasser trainiere, bin ich kurz vorher nochmal bei Starkwind und an einem Wellenspot Race trainieren gegangen.

3. Was ist das Allerbeste daran an so einem Event teilzunehmen?

In erster Linie die Wettkämpfe. Denn deswegen kommen wir alle nach SPO, um dabei zu sein wenn die Besten ihr Bestes geben. Aber das Besondere am KSWC in SPO ist eben, dass kein anderes Kitesurfevent eine solche Atmosphäre und Strandparties bietet. Das ganze Drumherum ist einfach gigantisch. Aber für mich ist es einfach das Größte, wenn ich vom Wasser komme und ich die Erste war, die durchs Ziel gefahren ist.

4. Und das Schlechteste?

KSWC-Besucher, die sich vor allem fürs Feiern interessieren. Es ist nicht besonders toll, wenn man in der Nacht kaum ein Auge zu machen kann, weil auf dem Übernachtungsparkplatz Halligalli und Trompeten ist. Am nächsten Morgen auf den Strand zu fahren und Glasscherben im Sand verstreut zu sehen, find ich auch nicht so prickelnd. :/

5. Was genau fasziniert Dich so an Racing?

Beim Course Racing zählt allein wer am Schnellsten durch den Kurs durchkommt. Es ist auf der einen Seite ein Kampf mit sich selber und andererseits ein direktes Kräftemessen und seinen Kontrahenten. Eine objektivere Entscheidung wer der Bessere war, kann es meiner Meinung nach nicht geben. Beim Freestyle erleben wir es nahezu an jedem Wettkampftag, dass Entscheidungen der Judges nicht nachvollzogen werden können.

6. Hast Du jemanden der Dich während des Events unterstützt? Einen Caddy oder sogar ein ganzes Team?

Ich werde von so vielen Menschen unterstützt. Mein Freund Jonas ist dabei als wichtigsten Part zu nennen. Er macht für mich den Caddy, kümmert sich um mein Material und achtet insbesondere auf Schäden am Board. Er ist aber zeitgleich noch mein Mental- und Ernährungscoach und Mutti, denn bei Wettkämpfen bin ich grundsätzlich nervös. Meine Flysurferbande hält mir den Rücken frei, kümmert sich um Material und mit dem Flysurfer-Race-Team gibt es Taktikbesprechungen.

7. Wo wohnst Du eigentlich während so eines Events?

Ich wohne zusammen mit meinem Freund im Auto. In einem kleinen VW Caddy, der zu einem fahrenden Bett umgebaut ist. Ab der Hälfte des Events gleicht das Auto aber eher einer Sandkiste. :D

8. Was holst Du Dir dort jeden Tag zu essen? Findest Du das Essen lecker?

Wir Rider kommen jeden Morgen ein super Frühstück. Da ist für jeden Geschmack was dabei. Mittags gibts dann eine warme Mahlzeit. Das war immer ganz lecker. Am besten fand ich allerdings, dass es jeden Tag zum Mittag Salat satt gab.

9. Was würdest Du den Organisatoren des World Cups vorschlagen für´s nächste Jahr zu verbessern?

Ich glaube ich spreche etwas aus, was schon jeder Fahrer gedacht hat: eine RICHTIGE DUSCHE, bitte! Ein Gartenschlauch mit eiskaltem Wasser nicht abgetrennt von Zuschauern, zähle ich nicht zu meinen schönsten Duscherlebnissen. :-/

Das Materialzelt der Fahrer sieht schon nach zwei Tagen aus wie bei Hempels unterm Sofa und man findet kaum mehr sein eigenen Sachen. Ich würde mir Aufstellgitter, die Boxen markieren, wünschen. Das würde schon sehr zur Ordnung beitragen bzw. weiß man dann wenigstens unter welchem Haufen in welcher Box sein Sachen zu finden sein müssten. :D

 10. Wenn Du einen Wunsch offen hättest, wo würde Deine nächste Reise hingehen?

Wenn ich auf reisen gehe, muss es selbst verständlich in die Sonne gehen und warm sein. Ich liebe blaues Wasser! Seit längerem habe ich schon den Traum von einer Karibikinsel zur nächsten zu kiten. Damit verbinde ich Racetraining und Spaß an verschiedenen Spots, die unterschiedliche Bedingungen für Wavekiten und Freestyle bereithalten.

 

 

Vielen lieben Dank an Christine für dieses tolle Interview, freue mich auf die nächste Session mit dir auf dem Wasser ;)

Anne

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