Kitesurfen lernen in Kapstadt

Das Leben des Ferry oder: Wie lerne ich Kitesurfen in Kapstadt?!

Wenn erfahrene Kiter an Kapstadt denken, kommen ihnen wunderbar geformte Wellen, starker Wind, kaltes Wasser und der Tafelberg in den Kopf. Vielleicht auch noch der ein oder andere leckere Wein und andere kulinarische Feinheiten, die die wunderschöne Kapregion zu bieten hat. Doch würde tatsächlich jemand in Erwägung ziehen hier seinen Freunden das Kitesurfen beizubringen!?

In Blouberg sieht man es in der Hochsaison täglich. Ein Lehrer mit Walkie Talkie am Strand und man muss nur noch nach dem unkontrolliert durch die Massen fliegenden Kite Ausschau halten. An dem hängt der bereits um einen Liter Salzwasser schwerere Schüler und kämpft mit Schirm, Board und den Anweisungen durch das am Kopf befestigte Funkgerät. Okay ,denken wir uns, vielleicht hätte man doch lieber Sizilien für den Anfang der Kitekarriere wählen sollen. Hier beschränkt man sich dann doch lieber auf die Sundowner-Biere mit meinen kitenden Kumpels im Pakkalolo.

So oder so ähnlich mag es schon vielen gegangen sein, doch so muss es nicht laufen.

Hier bei uns in der KiteWoldWide Mansion kennen wir ein Mittel gegen diesen Frust und der heißt nicht Jägermeister plus Augen zu und durch, sondern Langebaan. Das gelobte Lagunenland liegt zwar 100km nördlich die Westküste rauf, aber die Fahrt lohnt sich. Einmal angekommen ist das erste Highlight der Blick über die weite Lagune welche so groß ist das man das südliche Ende fast nicht mehr erkennen kann. Auch unser Schüler Ferry war völlig baff als wir zum ersten Mal um die Kurve hinterm Berg biegen und er das wunderbar türkis farbene Wasser voller bunter Kites erblickt. Die Vorfreude wächst ins Unermessliche. Wir müssen ihn fast anbinden damit er nicht wie ein junger Hund zum Wasser rennt und einfach nur den ganzen Tag planscht. Der Weg eines Kiteschülers hier in Kapstadt beginnt in Langebaan und führt über Muizenberg idealerweise bis vor die Haustür nach Sunset Beach wo er sich dann mit den Wellen und erfahrenen Freunden messen wird.

Doch zurück zu den Anfängen. Flugs dem gelehrigen Schüler den Aufbau und Sicherheitssysteme nahe gebracht mit der Ermahnung, dass damit eine jede gute Session für den Rest seinen kitenden Daseins steht und fällt. Dann geht’s auch schon ins kühle ääh in diesem Fall ja zum Glück warme Nass. Die Lagune hat ca. 20 Grad Wassertemperatur, ist also perfekt zum lange Body Draggen upwind und Startvorbereitungen. Ferry meistert alle Übungen mit Bravur und ist superschnell am Board unterwegs. Nach nur ein paar Stunden steht er bereits selbstständig auf dem Board. Langebaan war also wieder der perfekte Einstieg um in den Badewannenbedingungen die ersten Schritte auf dem Weg zum Kitesurfer zu gehen.

Neuer Spot neues Glück. Neben Langebaan bietet Kapstadt auch noch Muizenberg als einsteigertauglichen Spot, an dem es sich gut üben und sogar gegen die ersten kleineren Wellen behaupten lässt. Nach der Spoteinweisung baut Ferry nun routiniert und selbstständig sein Material auf und fordert sofortiges Starten. Seit dem ersten Mal Fliegen ist auch er, wie wir alle, vom Kitefieber infiziert. Mutig stürzen wir uns in die Wellen und nach dem ein oder anderen unfreiwilligen Waschgang und weggezogenen Board weiß auch Ferry die langen superglatten Stücke zwischen den geordneten Wellen zu schätzen. Zum Abend hat er so überhaupt keine Lust den Tag schon enden zu lassen. Ich muss ihm versprechen, dass wir morgen auf jeden Fall wieder herkommen.

Gesagt, getan. Am folgenden Tag stehen wir wieder zeitig auf der Matte des Sunrise Beach wo wir von keiner Menschenseele auf dem Wasser begrüßt werden. Es ist erst Mittag und die Locals müssen alle noch arbeiten. Also haben wir nur unsere Kumpanen, mit denen wir uns den Spot teilen müssen. Heute ist die Wende an der Reihe. Die ist nämlich essentiell um später vor den größeren Wellen und den damit verbundenen Abgängen am Sunset Beach zu entkommen. Wie das nunmal so ist, müssen wir aber erstmal die basics revue passieren lassen. Damit man beim auflandigen Wind in Muizenberg nicht dauernd am Strand Höhe laufen muss, sollte das auf dem Wasser sicher sitzen. Passt? Super, weiter im Text.Wieder neigt sich ein Tag dem Ende und morgen soll dann die Krönung einer äußerst erfolgreichen Anfängerwoche folgen. Kiten mit den „Großen“ direkt vor der Haustür am Sunset Beach.

Glücklicherweise sind die Wellen am nächsten Morgen schön human und keine herausfordernden Monster. Wobei das unseren Ferry wohl auch nicht abgehalten hätte. Der Junge ist hart im Nehmen! Bei wunderbaren sideshore Bedingungen gehen wir heute gemeinsam kiten. Dadurch das man direkt auf die Welle zufährt fällt auch das Problem weg, dass einem die Wellen von hinten übers Board laufen. Nun brauchen wir „nur“ noch über sie rüberzukommen. Das stellt sich manchmal als schwieriger heraus als es theoretisch scheint. Ferry lässt wacker Schleudergänge über sich ergehen und beherzigt dabei die goldene Regel in der Welle. Der Kite muss in der Luft bleiben weil er dich immer oben hält. Als Ferry sich mit den Wellen und ihren Tücken angefreundet hat und wir das erste mal hinter die letzte brechende Welle kommen, gibt es kein Halten mehr. Die teilweise auf ihn brechenden Wellen haben sich schlussendlich ausgezahlt und sein Druchhaltevermögen wird mit dem malerischen Blick auf den Tafelberg hinter ihm belohnt.

Und das ist es wofür man hier nach Kapstadt kommt: Vor dieser grandiosen Kulisse mit Freunden kiten! Jetzt schmeckt das gemeinsame Savanna bei uns auf dem Dach oder im Garten beim traditionellen Braai gleich doppelt so gut.