#1 Kitesurfen lernen:
Bente in der Seahorsebay, Ägypten

4 Monate als nicht kitende Praktikantin bei KWW zu arbeiten ist eine lange Zeit zwischen Menschen, die sich beim Kaffeholen über Schirmgrößen und Windverhältnisse unterhalten. Aber nach einiger Zeit wusste ich, dass ein „Chicken Loop“ kein außergewöhliches Kunststück auf dem Wasser ist, und wenn jemand von der „eigenen Bar“ redet, sich in seinem Koffer kein Flaschenvorrat eines Alkoholikers versteckt. 40 Stunden pro Woche unter Kitern arbeiten verbirgt ein hohes Risiko an Ansteckungsgefahr und als ich nun für eine Woche nach Ägypten, in die Seahorsebay geschickt werden sollte war die Vorfreude schon gewaltig groß!

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Am 01.12.16 um 09:15 Uhr flogen meine italienische Kollegin Eleonora und ich mit einem Direktflug der Condor von Hamburg nach Hurghada. Flaches Wasser, großes Stehrevier, familiäre Unterkunft, angenehme Temperaturen und eine gute Windwahrscheinlichkeit hatte ich den Kunden bislang am Telefon versprochen: und das bekamen wir auch.

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Der erste Abend wurde noch zum Entspannen und sich kennen lernen genutzt und am nächsten Morgen ging mein Training direkt los: mit einem 3m2 großen Trainerkite am Strand. Nach einer Stunde befand ich mich selbst als ein Profi in Sachen Kitekontrolle und machte mich daran, meine Ausrüstung zusammen zu suchen. „Safety first“ scheint der Hauptgrundsatz für Kitesurfanfänger zu sein, sodass ich mich eingeschnürt in einem Sitztrapez, einer Prallschutzweste, Neoprenschuhen und Sturzhelm wiederfand. Da ich nicht mal mehr meine Knie berühren konnte, ohne mir die Beine abzuklemmen, wagte ich zu bezweifeln, dass ich im Wasser irgendetwas abliefern konnte, außer ausgebreitet wie ein Seestern an der Wasseroberfläche zu treiben… was im Roten Meer im Übrigen hervorragend funktioniert!

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Die ersten „Bodydrags“ klappten sehr gut, auch wenn es sich alles andere als richtig anfühlt von einem 12m2 großen Schirm über die Wasseroberfläche geschleift zu werden. Mein Trainer Stefan schien die wenige Begeisterung für diese grundlegende Übung zu merken und bot mir an, direkt den Wasserstart mit dem Board zu versuchen. Beim Versuch ist es dann für den Tag auch geblieben. Ich schälte mich wieder aus meiner Ausrüstung und versuchte den Liter Salzwasser, der mir beim Bodydraggen meine Nase ausgespült hatte, dort wieder raus zu bekommen.

Man mag es nicht glauben, aber nach einem langen und anstrengenden Tag im Wasser ist eine Sauna in Ägypten im Dezember gar nicht mehr so abwegig, wie es klingt… Nach dem gemeinsamen Abendessen saßen wir oft zusammen und haben „Activity“ oder Billard gespielt oder uns über die Momente auf dem Wasser unterhalten. Vor allem beim wöchentlichen Barbecue am Lagerfeuer wurde die Stimmung so richtig gemütlich und familiär.

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Am nächsten Tag machte ich riesen Fortschritte und konnte nach einigen eleganten Stürzen tatsächlich 100m nach links und nach rechts fahren. Von einem 12m2 Schirm über die Wasseroberfläche getragen zu werden ist, wie ich dann merkte, ein unglaublich tolles Gefühl! Mein Kitelehrer schien sich zum Ziel gesetzt zu haben mich innerhalb von 6 Tagen zum Kiteprofi zu machen und schrie mir ständig Kommandos zu: „Schirm auf Zwölf. AUF ZWÖLF! Zieh dir das Brett an. Den Schirm mit der rechten Hand. Der RECHTEN Hand! Bar anziehen, auf die 10, auf 11 und los!!“

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In Froschposition im Wasser Uhrzeitangaben den Himmelsrichtungen zuzuordnen während die Füße in zwei Schlaufen am Brett gefesselt sind und die Hände krampfhaft versuchen die Bar nicht als Rettungshilfe zu benutzen, erforderte einiges an Konzentration. Wenn man dann aber mit einem mehr oder weniger kontrollierten Zug des Schirmes aus dieser Position befreit wird und über das Wasser flitzt, wird die gesamte Anstrengung belohnt.

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Den einzigen Nachmittag, an dem wir keinen Wind hatten, nutzten wir um mit einem SUP zum Riff zu paddeln, welches die Begrenzung der Lagune darstellt. Bewaffnet mit Schnorchel, Maske und Flossen dümpelten wir über dem unfassbar schönen Riff und beobachteten die Vielfalt der Pflanzen und die Farben der Fische. Dachte ich vorher, dass ein Seeigel eine tischtennisballgroße Kugel mit kleinen kurzen Stacheln sei, weiß ich nun dass an dieser kleinen Kugel Stacheln so lang wie ein Unterarm sind.

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Die Windbedingungen in Ägypten sind optimal für Anfänger: onshore Wind, der einen immer wieder zurück zum Strand trägt und nicht aufs offene Meer. Das heißt allerdings auch, dass man sich bei den ersten gefahrenen Metern immer mit dem Wind zum Strand bewegt.

Das „Höhe laufen“ musste ich weiterhin mit meinen Füßen am Meeresboden meistern. Das ist mit einem Schirm am Bauch recht anstrengend, sodass in mir schnell der Ehrgeiz wuchs „Höhe fahren“ oder zumindest „halten“ zu können. Am vierten Tag musste ich schon nicht mehr laufen und am sechsten Tag konnte ich Höhe gewinnen und mich mit dem Brett unter den Füßen vom Strand entfernen.

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Das Level was ich damit erreicht hatte, war höher als ich es mir je von einem einwöchigen Ägyptenurlaub hab träumen lassen, sodass ich mir an meinem letzten Tag Zeit für einen Strandausritt mit den Pferden aus dem benachbarten Hotel nahm. Mohammed, mein Guide, hatte vollstes Vertrauen in meine Reitkünste und feuerte unsere ohnehin schon tänzelnden Pferde mit einem „Yallah“ an, was „auf auf!“ oder „schnell“ heißt, sodass wir in einem rasenden Galopp innerhalb von 2 Sekunden das Ende des Strandes erreichten. Ich hatte den Spaß meines Lebens! Nach einer Stunde legten wir die Sättel ab, zogen Schuhe und Hose aus und gingen mit den Pferden schwimmen. Nach vielen lustigen Fotos und einigen Wasserschlachten kehrte ich klitsch nass und mit Sonnenbrand wieder zurück zum Kiteclub.

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Da die Sonne noch nicht untergegangen war, schlüpfte ich ein letztes Mal in den Neopren und ging aufs Wasser. Während die Sonne langsam verschwand wiederholte ich nochmal alles was ich gelernt hatte und war dabei sogar so entspannt, dass ich die schöne Atmosphäre des Sonnenuntergangs genießen konnte.

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Der Abschied am nächsten Tag viel schwer, das hat man nun von der familiären Atmosphäre. Ich habe die Leute sehr ins Herz geschlossen und hatte das dringende Bedürfnis, sie so bald wie möglich wieder zu besuchen.

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